Mentale Gesundheit im Unternehmen – Darauf sollten Sie achten!

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: Auch am Arbeitsplatz können Sie auf sich und andere achten und für ein gesunden Umfeld sorgen. Hier erfahren Sie wie.
Blog - 20. Mai 2026

Mentale Gesundheit: Maßnahmen für gesundes Arbeiten

So wie sich unser Alltag stetig ändert, so ändert sich auch die Arbeitswelt. Unternehmen sowie Beschäftigte selbst kommen nicht mehr um Themen wie den Fachkräftemangel, steigender Leistungsdruck oder die ständig fortlaufende Digitalisierung herum. Sie spüren die Folgen, positive wie negative.  

Erst Ende April war der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Dieses Thema ist relevanter denn je. Besonders die mentale Gesundheit rückt dabei zunehmend in den Fokus. 

Was gibt es im Arbeitsalltag für Gefahren und Risiken für die psychische Gesundheit, wie sieht die aktuelle Entwicklung aus und was versteht man überhaupt unter dem Begriff? Gleichzeitig geben wir Ihnen auch 10 praxisnahe Tipps, mit denen Sie als Führungskräfte, Personal- und HE-Verantwortliche oder Mitarbeitende die mentale Gesundheit in Ihrem Betrieb fördern können. 

Hand hält Symbole aus dem Bereich Gesundheit

Was versteht man unter mentaler Gesundheit?

Die DGUV bezeichnet mentale Gesundheit als Fähigkeit, sich erfolgreich alltäglichen und außergewöhnlichen Herausforderungen zu stellen und zudem auch eigene Ziele und Wünsche verwirklichen zu können.  

Psychische oder auch mentale Gesundheit wird von verschiedenen sozialen, biologischen und psychischen Faktoren beeinflusst. Genau darin bieten sich mögliche Ansatzpunkte für die Prävention.

Was versteht man unter psychischer Belastung und Beanspruchung?

Psychische Belastung werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als das Zusammenspiel aller erfassbaren Einflüsse definiert. Diese Einflüsse kommen von außen und wirken psychisch auf den Menschen ein.  

Psychische Beanspruchung bezeichnet die unmittelbare Reaktion auf die psychische Belastung. Wie stark die Reaktion ausfällt, hängt jedoch von der augenblicklichen Verfassung oder den persönlichen Erfahrungen ab. Auch die individuelle Bewältigungsstrategie spielt dabei eine Rolle.

Was sind die Zahlen und Entwicklungen zu psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz?

Der Anstieg psychischer Erkrankungen ist zu einem größeren Problem geworden. Seit 2014 ist die Zahl der psychischen Erkrankungen und den daraus resultierenden Fehltagen um rund 47 Prozent gestiegen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) berichtet in ihrem Fehlzeitenreport 2024 etwa, dass psychische Erkrankungen bei ihren Versicherten der dritthäufigste Grund für eine Krankmeldung waren. Auch die Krankenkasse DAK weist auf diese Entwicklung hin. Laut dem DAK Psychreport 2025 gingen 17,4 Prozent aller Fehltage auf psychische Erkrankungen zurück und lagen damit ebenfalls auf Platz 3 der Erkrankungsgruppen.

Diese Faktoren spielen bei psychischer Belastung eine Rolle:

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen internen und externen Einflüssen, die auf die Psyche einwirken können. Mit internen Faktoren sind berufsbezogene Faktoren gemeint, während sich externe Faktoren auf Privates, also außerhalb der Arbeit beziehen.  
Interne Faktoren … 

… können durch Konflikte innerhalb eines Teams entstehen, zum Beispiel durch Mobbing. 

… können durch Stress bei der Arbeit entstehen und sogar zum Burn-Out führen. 

… können die Sorge sein, den Arbeitsplatz zu verlieren, oder auch die Gefahr von Arbeitslosigkeit selbst. 

… können Vereinsamung durch Arbeiten im Homeoffice sein. 


Externe Faktoren betreffen private Ereignisse außerhalb der Arbeit. Dazu zählen beispielsweise… 

… Scheidungsfälle, 

… Erkrankungen der Mitarbeitenden selbst oder nahestehender Personen 

… oder Todesfälle im sozialen Umfeld.

Was Sie dazu wissen sollten:

Mobbing am Arbeitsplatz: „Regelmäßig wiederkehrende und andauernde, bewusst eingesetzte psychische Aggression von Beschäftigten und Führungskräften gegen Mitarbeitende“ (AOK)

Burn-Out: Das Burn-Out-Syndrom beschreibt eine ständige Erschöpfung, mit der sich Menschen von den Anforderungen ihres Alltags überfordert fühlen. Es entsteht meist durch chronischen, berufsbedingten Stress. Die Zahl von Burn-Out-Fällen ist gestiegen. Bei Burn-Out spielen etwa Arbeitsüberlastung, mangelnde Wertschätzung oder keine klare Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben eine Rolle. Auch Selbstüberschätzung oder Perfektionismus können zu Burn-Out führen.

Vereinsamung im Homeoffice: Seit der Corona-Pandemie bieten viele Betriebe ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit auch im Homeoffice zu arbeiten. Trotz vieler Vorteile kann das aber auch zu Vereinsamung führen. In einer Umfrage der DGUV geben über 50 Prozent der Befragten an, dass ihnen der regelmäßige Kontakt zu Kollegen (m/w/d) fehle. Generell zeigen viele Studien, dass mangelnder Austausch zwischen Mitarbeitenden zu verstärkten Gefühlen von Einsamkeit und Isolation, zu höherem Stress und zu Depressionen führen kann.

Wie macht sich psychische Belastung am Arbeitsplatz bemerkbar?

Psychische Erkrankungen und eine belastete mentale Gesundheit lassen sich von außen oft nicht erkennen. Dennoch gibt es einige Indikatoren, auf die Sie achten können.

Mann am Schreibtisch reibt sich frustriert die Augen

Die Grundarbeitsfähigkeit oder die Qualität der Arbeit verschlechtert sich. Dazu zählt beispielsweise vermehrte Unpünktlichkeit, mangelnde Disziplin, oder unentschuldigtes Fehlen.  

Das Sozialverhalten ändert sich. Die Person ist oft weniger belastbar, reizbarer, trauriger oder kann sich schlechter konzentrieren. Auch die Vermeidung von Gesprächen mit anderen Mitarbeitenden kann ein Anzeichen sein. 

Zudem können auch übergreifende Beeinträchtigungen ein Hinweis sein. Das kann sich unter anderem durch Schlaflosigkeit, Erschöpfung am Arbeitsplatz, Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege sowie Schwierigkeiten bei der Selbstversorgung ausdrücken. 

Trotz des starken Anstiegs an psychischen Erkrankungen gibt es bei der Integration von Präventions- und Gegenmaßnahmen in der Arbeitswelt noch Potential. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, welche Präventionsmaßnahmen möglich sind. Dabei können Arbeitgeber, genauso wie Arbeitnehmende selbst einiges tun, um sich und andere zu schützen oder besser mit den Problemen umzugehen.

10 Praxisnahe Tipps für Arbeitgeber und Arbeitnehmende

1. Arbeitsorganisation ergonomisch gestalten  
Eine Möglichkeit, den Stress für Mitarbeitende zu reduzieren, ist sie bei Themen wie Arbeitsmitteln oder Arbeitsweisen mitbestimmen zu lassen. Das können auch kleinere Entscheidungsprozesse sein, etwa die Reihenfolge der Aufgaben oder die Pausenintervalle. Für die Mitarbeitenden ist das nachweislich gesünder und steigert die allgemeine Motivation.

2. Arbeitszeiten im Blick behalten
Außerdem ist es hilfreich, die vorgegeben Arbeitszeiten einzuhalten und Überstunden zeitnah abzubauen beziehungsweise mit Freizeit auszugleichen. Ein bewusster Umgang mit den Arbeitszeiten ist sowohl Aufgabe der Mitarbeitenden als auch des Arbeitgebers, der das zusätzlich durch klare Vorgaben unterstützen kann.

3. Hybride Arbeitszeitmodelle 
Ein hybrides Arbeitszeitmodell ist, sofern es möglich ist, besonders vorteilhaft. Es bietet den Mitarbeitenden viel Flexibilität und ergänzt die Vorteile von eingehaltenen Arbeitszeiten sinnvoll. In vielen Fällen lässt sich so die Work-Life-Balance verbessern. 

Holzklötze mit den Worten Work und Life balancieren auf einem Brett und einer Kugel

4. Entspannungstechniken und Achtsamkeit am Arbeitsplatz 

Gegen Stress können auch verschiedene Entspannungstechniken helfen. Dazu gehören zum Beispiel progressive Muskelentspannung und autogenes Training, also eine Methode zur körperlichen und geistigen Entspannung. Dadurch fällt es Beschäftigten häufig leichter, nach der Arbeit oder in Pausen abzuschalten und neue Kraft zu tanken. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmende können solche Techniken sowie generelle Mindfulness-Übungen am Arbeitsplatz in den Alltag integrieren.

Frau mit geschlossenen Augen

5. Gesundheitliche Faktoren  

Grundsätzlich sind genügend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und ausgleichende Bewegung sehr wichtig, um nicht nur physisch, sondern auch psychisch gesund zu bleiben. Arbeitgeber können ihre Mitarbeitenden beispielsweise durch Angebote für Fitnessprogramme und gemeinsame Bewegungspausen unterstützen, oder indem sie mit Experten (m/w/d) Informationsmöglichkeiten bieten.

6. Soziale/Zwischenmenschliche Anbindung
Soziale Faktoren haben einen sehr großen Einfluss auf die menschliche Psyche. Daher sind eine gute Teambindung und zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mitarbeitenden sehr wichtig. Besonders im Homeoffice, aber auch im Büro sollten Arbeitgeber darauf achten, dass es genug Möglichkeiten gibt, zwischenmenschliche Beziehungen zu entwickeln.

7. Gespräche mit Betroffenen  

Oft kann es auch helfen, offene Gespräche zu führen. So können Arbeitgeber herausfinden, vor welchen Herausforderungen die betroffenen Personen stehen und gemeinsam versuchen, Lösungen zu finden. Das können auch vorbeugende Gespräche sein. Sollten Sie vermuten, dass Mitarbeitende betroffen sind, ist es sinnvoll, sie direkt zu einem offenen Gespräch mit ihren Vorgesetzen oder vertrauten Personen einzuladen.  


Frau sitzt und gestikuliert zu einer anderen Person

8. Weiterbildungen
Weiterbildungen können Teilnehmenden helfen, mehr über die Gefahren psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz zu erfahren. Durch das Wissen können sie sich und anderen helfen, besser mit der Arbeit und dem arbeitsbedingten Stress zurechtzukommen.

9. Konflikt- und Kooperationsförderungsberatungsstelles 
Je nach Größe und Möglichkeiten des Unternehmens kann eine Konflikt- oder Kooperationsberatungsstelle hilfreich sein. Mitarbeitende können sich in Konfliktsituationen oder bei Problem an sie wenden.

10. Psychische Gefährdungsbeurteilung  
Eine psychische Gefährdungsbeurteilung ist ebenfalls von immenser Wichtigkeit, für die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Gefährdungsbeurteilungen sind für alle Unternehmen vorgeschrieben. 


Im Bereich der psychischen Gesundheit sollte sich eine Gefährdungsbeurteilung also zusammengefasst auf die folgenden Punkte fokussieren: 

• Arbeitsinhalt/-aufgabe  

• Arbeitsorganisation  

• Soziale Beziehungen  

• Arbeitsumgebung  

• Neue Arbeitsformen  

 

Wo könnte es bei Ihnen oder Ihrem Unternehmen noch Verbesserungsmöglichkeiten geben? Psychische Erkrankungen sind zwar nicht immer sichtbar, haben aber einen großen Einfluss auf das Leben und die Arbeit eines Menschen. Wenn das Thema in Betrieben ernstgenommen wird, fördert das daher nicht nur den Arbeits- und Gesundheitsschutz, sondern steigert auch die Leistung und die Qualität der Arbeit. 

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